Eignet sich ein altdeutscher Hütehund als Familienhund?

Was macht einen Familienhund aus?

Zuallererst stellt sich die Frage: was macht einen Familienhund aus? Typische Antworten drauf sind: treu, freundlich, beschützend, verschmust, immer für einen da, ein toller Begleiter. Selbstverständlich stimme ich diesem zu, allerdings möchte ich zu bedenken geben, dass keine dieser Antworten die eigentlichen Bedürfnisse oder konkrete Aktivitätslevel des Hundes anspricht.

Jede Familie ist anders und hat andere Vorstellungen und Ideen bezüglich eines Lebens mit Hund. Bevor man sich also für eine Rasse und einen bestimmten Typ Hund entscheidet, sollte man genau wissen, was zu einem passt. Leider passiert es noch viel zu häufig, dass sich zuvor keine Gedanken gemacht werden und man später feststellt: der Hund passt gar nicht zum eigenen Lebensstil.

Man sollte sich unbedingt im Klaren sein, welche Ansprüche man an den Hund und welche Ansprüche eine konkrete Rasse an den Halter stellt. Hunderassen haben spezifische Eigenheiten und Ansprüche. Manchen reicht es „einfach nur“ Gassi zu gehen. Andere wollen beschäftigt werden und eignen sich mehr oder weniger gut für bestimmte Aufgaben. Passt ein eher ruhiger Hund zu meinem Lebensstil oder möchte ich einen Hund der mich fordert? Unterschiedliche Rassen haben unterschiedliche Bedürfnisse und es ist wichtig diesen, für ein harmonisches Zusammenleben, gerecht zu werden. In meinen Augen bedeutet das nicht, dass ein Hütehund unbedingt eine Herde Schafe vor der Tür haben muss – obwohl sich viele sicherlich darüber sehr freuen würden ;).

Phoebe an Schafen 

Nun zu den altdeutschen Hütehunden

Altdeutsche Füchse sind intelligente, temperamentvolle und selbstbewusste Hunde. Sie wurden über Generationen für einen Zweck gezüchtet: das selbstständige Arbeiten an großen Herden. Die Hunde müssen mutig und unempfindlich sein, um sich wieder und wieder der Herde entgegen zu stellen. Gleichzeitig sind sie extrem aufmerksam, um alles im Blick zu behalten. Sie sind ausdauernd, nahezu unermüdlich.

Man sollte nicht vergessen, dass diese Hunde auch heute noch für die Zuchttauglichkeitsprüfung ihre Eignung als Hütehunde unter Beweis stellen müssen. Dank diesem Vorgehen bleiben die ursprünglichen Eigenschaften und Anlagen dieser tollen Hütehunde erhalten. Altdeutsche Hütehunde brauchen Hundeführer, die die Besonderheiten dieser Rasse erkennen, sich damit auseinander setzen, eine klare Struktur vorgeben und sich mit dem Hund beschäftigen. Die Aufmerksamkeit dieser Hütehunde ist neben dem „Nahbereich“ auch sehr stark in die Ferne gerichtet. Sie reagieren sehr stark auf Bewegungsreize. So kann sich sehr schnell eine ausgeprägte Jagdleidenschaft entwickeln, die früh durch konsequente Erziehung in lenkbare Bahnen dirigiert werden muss. Schon im Welpenalter empfiehlt sich eine sehr klare, strukturierte und ebenso konsequente Erziehung.

Altdeutsche Hütehunde sind sehr triebstark; dadurch neigen sie aber auch zu einem Balljunkie Dasein. Einmal antrainiert, ist dies schwer wieder in normale Bahnen zu lenken. Es ist absolut wichtig, schon früh Ruhe und Entspannung zu trainieren und sie dahingehend zu erziehen. Diese Hunde haben immer Lust auf und Spaß an jeglicher Beschäftigung, Abenteuer, Ausflüge und Unternehmungen – ziemlich egal was. Das heißt aber nicht, dass sie ständig beschäftigt werden müssen. Mit etwas Erziehung lernt der Fuchs schnell, ganz entspannt zu sein bis man gemeinsam zum nächsten Abenteuer aufbricht. Ruhe und Entspannung muss man früh trainieren, dann ist es eine der großen Stärken dieser Hunde. Phoebe kann mit mir total entspannt, fast schläfrig am Agility Parcours warten, bis es Zeit wird zum warm machen und im Parcours Vollgas zu geben. Auch zwischen den Trainingseinheiten bei den Rettungshunden können Alice und Phoebe im Auto relaxen und schlafen bis sie wieder dran sind. Dann geben sie alles. Ein Altdeutscher, der nie gelernt hat, Ruhe zu geben, wird allerdings zu lästigem Triebverhalten neigen.

Ich bin mir sicher, dass ein altdeutscher Hütehund, und damit auch der Fuchs, abseits der Herde glücklich werden kann. Allerdings sind sie nur in den seltensten Fällen Hunde, die problemlos „einfach so mitlaufen”. Sie möchten beschäftigt werden. Mit was man sie beschäftigen kann ist ziemlich vielseitig. Man sollte etwas finden, was Halter und Hund gleichermaßen Spaß macht. Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos: Rettungshunde, Agility, Trickdogging, Scooter fahren, Mantrailen, ZOS, Obedience, Rally Obedience, Dummy Arbeit, Dog Dancing, Hoopern, THS, Treibball und und und

Unabhängig davon, ob der Welpe vom Schäfer oder von einem privaten Züchter stammt: das Jahrhunderte alte Erbe der Hütehunde ist in allen Welpen gleichermaßen präsent und für die Verhaltensweisen mit oder ohne Herde prägend.

Wer vor einem anspruchsvollen Hund, einem Hund der fordert und gefördert werden möchte, nicht zurückschreckt. Wer mit Trieb umgehen kann und eine schnelle Auffassungsgabe schätzt und einen leistungsfähigen, leichtmotivierbaren Hund sucht, der wird mit einem Mitteldeutschen Fuchs glücklich.

Fazit:

Man kann nicht pauschal sagen, ob sich der mitteldeutsche Fuchs als Familienhund eignet. Es kommt ganz darauf an, was für einen Hund die Familie sucht. Wünscht man sich ein unkomplizierter Hund der „einfach so mitläuft“ – dann ist der altdeutsche Fuchs wahrscheinlich nicht ideal geeignet. Ist man jedoch bereit Zeit in eine solide Ausbildung zu investieren und möchte sich intensiv mit dem Hund beschäftigen, dann ist der altdeutsche Hütehunde sicher ein toller Familienhund. Ein Hund mit dem man durchs Feuer gehen kann.

Wenn ihr mehr über die altdeutschen Hütehunde wissen wollt, dann solltet ihr unbedingt auf der Seite des AAH vorbei schauen.

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